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Produkt­entwicklung, Digitalisierung und Innovation

Think-Tank der Kreislaufwirtschaft

Die Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen trägt wesentlich zum nachhaltigen Erfolg der ARA bei – sie versteht sich als Thinktank der Kreislaufwirtschaft. Die ARA setzt nicht nur die Nachhaltigkeitspläne ihrer Kunden um, sondern denkt auch weiter und forscht mit ihren Partnern an Prozess- und Produktinnovationen in allen Bereichen der Wertschöpfungskette, damit die österreichische Wirtschaft auch für künftige Herausforderungen gerüstet ist. Die Projekte reichen von Kooperationen mit Wissenschaft und Forschung im Ressourcenmanagement von ARA Circular Design für Verpackungen bis hin zur digitalen ERP-Kommunikations- und Transportdatenplattform DiGiDO.

Die ARA forscht mit ihren Partnern an Prozess- und Produktinnovationen in allen Bereichen der Wertschöpfungskette.

UNSERE ÜBERGEORDNETEN ZIELE

  • Forschung und Entwicklung zur Erfüllung des EU-Kreislaufwirtschaftspakets
  • Verfügbarkeit von hochwertigen Rezyklaten sicherstellen
  • ARA als Themen- und Innovationsführer der Kreislaufwirtschaft etablieren

Handlungsfelder zur Erreichung der EU-Ziele 2025/30

Digitalisierung aller Prozesse

Zur Effizienzsteigerung wird die ARA die kommenden weitreichenden Änderungen dazu nutzen, die Digitalisierung aller Prozesse umzusetzen und die Recyclingwirtschaft auf das Niveau einer State-of-the-Art-Industrie zu heben.

Bereits heute erhebt die ARA Leistungsdaten der Sammlung tagesaktuell mit digitaler Tourenbegleitung.

Zur Optimierung von Tourenplanung und Auslastung werden ab Beginn der neuen Vertragsperiode 2023 alle Sammelfahrzeuge mit Onboard-Systemen ausgestattet.

Mittelfristig werden Sammelfahrzeuge, Disponenten, Sortieranlagen und Recyclingbetriebe miteinander kommunizieren, um Sammlung, Anlieferung, Prozessführung und Output-Qualität zu optimieren. Private und gewerbliche Abfallerzeuger erhalten Feedback über ihre Mülltrennung und ihren ökologischen Fußabdruck.

Verpackungsgestaltung

Bis 2030 müssen alle Kunststoffverpackungen recyclingfähig sein. ARA Circular Design unterstützt die Kunden schon heute dabei, die Recyclingfähigkeit und die Wiederverwendbarkeit ihrer Verpackungen zu steigern. Mit dem Ersatz von Materialkombinationen, Laminaten und anderen Materialverbunden durch Monomaterial sowie mit dem Verzicht auf störende Etiketten, Verschlüsse, Farbstoffe oder Additive wird die automatische Erkennung in Sortieranlagen verbessert und die Ausbeute im Recycling gesteigert.

Kunststoff-Roadmap

Kunststoffverpackungen machen mit 300.000 t weniger als ein Viertel der Gesamtmenge von 1.300.000 t Kunststoffen aus, die in Österreich jedes Jahr auf den Markt kommen. Davon werden etwa 450.000 t nicht – wie Verpackungen – kurzfristig zu Abfall, sondern bleiben in Gebäuden, Fahrzeugen und anderen langlebigen Erzeugnissen jahre- und jahrzehntelang in Nutzung. Wir akkumulieren somit wesentlich mehr Kunststoffe im sogenannten „anthropogenen Lager“, als kurzlebige Verpackungen im Umlauf sind. Dessen ungeachtet sind Kunststoffe mit etwa 5 % der Erdölproduktion nur ein Teilaspekt eines – bezogen auf Energieversorgung und Klimaschutz – gewichtigeren Themas: des sektorenübergreifenden Kohlenstoffmanagements.

Wenn die notwendigen Innovationen und Investitionen Wirklichkeit werden sollen, brauchen Wirtschaft und Forschung eine klare Orientierung über die Rolle, die wir dem Werkstoff Kunststoff künftig geben wollen. Die ARA forderte die Bundesregierung Anfang 2019 auf, in einer Kunststoff-Roadmap 2030 drei Fragen in Angriff zu nehmen:

  • Woraus machen wir künftig Kunststoffe – weiterhin aus Erdöl, aus nachwachsenden Rohstoffen oder aus CO₂?
  • Wofür setzen wir Kunststoffe künftig sinnvoll und effizient ein und wofür nicht? Das Plastiksackerl ist Geschichte, aber wie sieht es mit Vollwärmeschutz, Leichtbauweise, Telekommunikation, Medizintechnik oder Anlagen der Energiewende aus?
  • Und wie halten wir Kunststoffe – so wie alle anderen Werkstoffe – möglichst lange und hochwertig in Nutzung und vermeiden Verluste in den Abfall, die Natur oder die Meere?

VORSPRUNG DURCH FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG

Im Ressourcenmanagement kooperiert die ARA mit Wissenschaft, Forschung und Lehre, um zeitnah neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in die Geschäftstätigkeit zu integrieren. Dabei tauscht sie Ergebnisse und Best-Practice-Erfahrungen mit ihren europäischen Partnern in den Plattformen PROsPA und PRO Europe aus. Das EU-Kreislaufwirtschaftspaket bestätigt die vorausschauenden Investitionen der ARA in Innovation und internationale Kooperation.

Als Initiator und Gründungsmitglied ist die ARA maßgeblich an der Arbeit von CEC4Europe, der Circular Economy Coalition for Europe, beteiligt. Dieses europäische Forschungsnetzwerk aus Universitäten und WissenschafterInnen arbeitet an evidenzbasierten Verfahren sowie Strategien zu Ressourcenmanagement und Kreislaufwirtschaft. CEC4Europe steht im engen fachlichen Kontakt mit europäischen Institutionen und war 2018-2020 Mitglied der Koordinierungsgruppe der European Circular Economy Stakeholder Platform der Europäischen Kommission und des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses.

Das Christian Doppler Labor „Anthropogene Ressourcen“ an der Technischen Universität Wien wurde von der ARA als Industriepartner mitinitiiert und betrieb 7 Jahre lang erfolgreich Spitzenforschung im Bereich des Ressourcenmanagements. Die Forschungsgruppe beschäftigte sich mit der Nutzbarkeit von Konsumgütern, Bauwerken und Infrastruktureinrichtungen als Rohstofflager der Zukunft. Die ARA nutzt heute die Forschungsergebnisse der Schwerpunktthemen Kunststoffe und Aluminium.

Das Christian Doppler Labor „Nachhaltiges Produktmanagement in einer Kreislaufwirtschaft“ an der Universität Graz erarbeitet wissenschaftlich fundierte Grundlagen für die Nachhaltigkeitsbewertung von Produkten und Dienstleistungen. Dabei werden Daten des gesamten Lebenszyklus erhoben und auch die Aspekte der Wiederverwendung und Lebensdauerverlängerung berücksichtigt.

Und im neuen Christian Doppler Labor „Design und Bewertung einer effizienten, recyclingbasierten Kreislaufwirtschaft“ (TU Wien in Kooperation mit der Montanuniversität Leoben) werden wissenschaftliche Grundlagen zur effizienten Gewinnung und Verwertung von Sekundärrohstoffen erarbeitet – als wesentlicher Beitrag zur Erreichung der Ziele des EU-Kreislaufwirtschaftspakets. Dabei geht es um die Analyse technischer und organisatorischer Maßnahmen zur Optimierung abfallwirtschaftlicher Prozesse ebenso wie um Analyse und Tests zukünftiger sensorbasierter Sortiertechnologien. Case Studies sollen dann die Auswirkungen in der tatsächlichen operativen Umsetzung beleuchten.

Das Österreichische Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) und die
FH Campus Wien sind enge Kooperationspartner für ARA Circular Design zur Entwicklung recyclingfähiger Verpackungen mit möglichst hohem Einsatz von Sekundärrohstoffen.

Die Sustainability Challenge wird von der Austria Glas Recycling als Service-Learning-Partner begleitet. Studierende erhalten dabei die Möglichkeit, einen Einblick in die Umsetzung von Projekten in einem Unternehmen zu bekommen.

Ein aktuelles Forschungsprojekt mit dem „Kompetenzzentrum Insight Austria“ am Institut für Höhere Studien in Wien widmet sich in Kooperation mit den Städten Krems, Leoben und Steyr der Frage, wie sich mit verhaltensökonomischen Interventionen wie Nudging die getrennte Sammlung im Außer-Haus-Konsum verbessern und Littering verringern lässt – zum Beispiel durch die Gestaltung der Behälter oder zusätzliche Informationen am Point of Interest.

DIGITALE UNTERSTÜTZUNG

Digitalisierung entlang der Wertschöpfungskette,
um Recyclingziele zu schaffen

DiGiDO – DIE DIGITALE TRANSPORTWELT

Kreislaufwirtschaft funktioniert nur dann, wenn die Akteure entlang der Wertschöpfungskette Informationen über die stoffliche Zusammensetzung, Nutzung, Wartung und Entsorgung der Produkte effizient austauschen können. Diese Fakten können dann für das Recycling genutzt werden und gleichzeitig auch umweltrelevante Informationen beinhalten. Genau dafür wurde DiGiDO entwickelt – eine digitale Datenplattform, die Unternehmens- und Behördenstandards kompatibel macht.

Sie verarbeitet sämtliche Formate, verfügt über modular erweiterbare Schnittstellen und lässt sich für zahlreiche Geschäftsbereiche und Branchen anwenden – von der Bauwirtschaft bis hin zum Gefahrguttransport. Allein in der ARA managt man pro Jahr rund 700.000 Lieferscheine. Eine Digitalisierung bringt mehr Effizienz, spart Papier und reduziert Medienbrüche und andere Fehlerquellen. Dieser unternehmensübergreifende Austausch von einheitlichen Echtzeit-Daten – Wo fällt wann welcher Abfall in welchem Ausmaß an? – spart allen Beteiligten Zeit und Geld, weil Produktions- und Logistikprozesse rascher und effizienter geplant werden können.

Unternehmen wissen diese Vorteile ebenso zu schätzen wie Behörden oder Gemeinden. Gerade angesichts der COVID-19-Pandemie in Europa ist die Digitalisierung von Logistikprozessen mehr denn je ein Thema für die Branche. Mit DiGiDO müssen Lieferscheine nicht persönlich zwischen den Unternehmen ausgetauscht werden, es gibt keine Zettelwirtschaft unter MitarbeiterInnen mehr – das vereinfacht Prozesse und schützt die Menschen. Und mit dem Dashboard DiGiDO Cockpit lassen sich Standorte, Mengen und Kosten auf einen Blick erfassen und optimieren. Das hat nicht nur deutliche Produktivitätssteigerungen zur Folge, sondern bietet auch – durch fälschungssichere Blockchain-Technologie – eine absolut zuverlässige, einheitliche Basis für Rechnungskontrollen und Behördenmeldungen. Und es minimiert rechtliche Risiken für die Kunden. Da immer mehr Produkte im internationalen Warenverkehr notifizierungspflichtig sind, erweitert DiGiDO seine Lösungen auch um diesen Bereich.

Smarte Recyclingwirtschaft

ARA und Austria Glas Recycling setzen auf eine moderne zukunftsfähige Verpackungssammlung. In Pilotversuchen erproben sie digitale Konzepte, die eine bedarfsoptimierte Behälterentleerung ermöglichen. So sind beispielsweise in ausgewählten Versuchsgebieten Altglassammelbehälter mit Füllstandssensoren ausgestattet, die über eine digitale Plattform ein Abholsignal senden, sobald die Behälter voll sind. Die Daten werden mit Lkw-Nutzlast- sowie Kalenderdaten vernetzt, und automatisch wird ein dynamischer Tourenplan erstellt. Die bedarfsgerechte Entleerung spart unnötige Fahrten und somit CO2 und Lärm.

Mit Big Belly Solar testet die ARA die Sammlung von Getränkeverpackungen in Fußgängerzonen, in denen es bis dato keine getrennte Sammlung gab. Erfasst werden die Verpackungen in Behältern, die mit Müllpressen ausgestattet sind. Ein Solarpanel erzeugt die für die Abfallverdichtung nötige Energie, ein Füllstandssensor meldet den Abholbedarf und stellt damit die optimale Planung der Entsorgungsroute sicher.

ARA CIRCULAR DESIGN – HERZSTÜCK DER KREISLAUFWIRTSCHAFT

Verpackungsdesign wird in Zukunft eine wesentliche Voraussetzung zur Erreichung der Sammel- und Recyclingziele der EU sein. Diese verlangt nicht nur deutlich höhere Quoten für das Recycling, sondern auch eine 100%ige Rezyklierbarkeit der Verpackung bis 2030. Unterstützen soll dieses Vorhaben ab 2023 die Ökomodulation, d. h. die Gestaltung der Lizenztarife nach den Verwertungseigenschaften der Verpackung. Klar ist: Für die Realisierung von Circular Economy müssen unsere Vorstellungen von Märkten, Dienstleistungen und Nutzungsverhalten neu definiert werden. Aber auch die Kreislaufwirtschaft erfordert eine Balance von Angebot und Nachfrage, die verordnete Recyclingquoten allein nicht schaffen. Deshalb brauchen wir Produkte, die für Recycling gemacht sind, und gleichzeitig Produkte, die aus den gewonnenen Sekundärrohstoffen hergestellt werden.

Mit ARA Circular Design können Unternehmen schon bei der Verpackungsgestaltung wertvolle Ressourcen sparen, die Recyclingfähigkeit entscheidend verbessern und den Einsatz von Sekundärrohstoffen steigern.
ARA Circular Design bringt die Kreislaufwirtschaft einen großen Schritt voran, denn es verbindet Design for Recycling mit Design from Recycling.

Design for Recycling, die Recyclingfähigkeit, muss bereits in der Produktentwicklung den gleichen Stellenwert wie Funktionalität, Schutz oder Attraktivität haben. Spätestens mit der Einführung der Ökomodulation der Lizenztarife ab 2023 bringen recyclingfreundliche Verpackungen auch hier einen wirtschaftlichen Vorteil für die ARA Kunden. In der Herstellung selbst wird ein möglichst hoher Anteil an Sekundärrohstoffen angestrebt: Design from Recycling. Dazu bietet ARA ihren Kunden hochwertige Rezyklate an.

BEST PRACTICE
Traditionsmarke in neuem Kleid

Eine österreichische Traditionsmarke geht neue Wege: Seit Ende April 2020 werden die Produkte Schwedenbomben, Manja und Swedy in neuen 100%-Recycling-PET-Verpackungen an den Handel ausgeliefert – nachhaltig, umweltfreundlich und ohne neues Plastik in den Kreislauf zu bringen. Gemeinsam mit der ARA gelang es, Produktschutz, Nachhaltigkeit, Markennostalgie und Einzigartigkeit zu verbinden. Schließlich ist der Schwedenbomben-Blister Kult und seit mehr als 50 Jahren unverändert. Jetzt kommt kein neues Gramm Plastik mehr ins Spiel – Circular Design wird auch für Niemetz zum „Game Changer“. Der Erfolg kann sich sehen lassen: KonsumentInnen sind begeistert – und in der Ökobilanz verbessert sich die neue Verpackung bei der CO2-Belastung um 32 %; die gesamten Umweltauswirkungen verringern sich um 85 %.

EXPERTiNNENTEAM FÜR CIRCULAR DESIGN

Unternehmen, die ihre Verpackungen auf Recyclingfähigkeit prüfen wollen, finden im ARA Circular-Design-Team kompetente Partner. Das international anerkannte Institut cyclos-HTP forscht dazu und nimmt Klassifizierungen sowie entsprechende Testierungen vor. Das OFI und die FH Campus Wien bieten verpackungstechnisches Know-how aus erster Hand.

ONLINE-RECYCLINGKOMPASS

Ein von der ARA speziell für Österreich spezifiziertes Modell setzt einen wichtigen Schritt zur Ressourceneffizienz: Aus den technischen Daten einer Verpackung – Werkstoffe, Additive, Klebstoffe u. v. m. – wird berechnet, welcher Recyclinggrad unter realen österreichischen Bedingungen am Ende tatsächlich erreichbar ist. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise für konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Recyclingfähigkeit und für die Einstufung einer Verpackung. Das Online-Tool „Recyclingkompass“ erlaubt es dem Anwender, mit wenigen Clicks die Recyclingfähigkeit seiner Verpackung (inklusive Etiketten, Verschlüsse oder Klebefolien) objektiv zu bewerten. Rund 500 Unternehmen nutzen dieses Service bereits.

RECYCLINGKUNSTSTOFFE FÜR KUNDEN

Das EU-Kreislaufwirtschaftspaket sieht vor, den Einsatz von Recyclingrohstoffen massiv zu steigern. Bis 2025 sollen in Europa insgesamt 10 Mio. Tonnen Recyclingkunststoff in Produkten eingesetzt werden. Das betrifft nicht nur Verpackungen, sondern auch die Sektoren Bau, Automotive und Elektro/Elektronik sowie die öffentliche Hand als wichtige Nachfrager. Für die Industrie ist das nur möglich, wenn Verfügbarkeit, Qualität und Preis des Materials stimmen. Mit zukunftsweisenden Lösungen im Bereich Stoffstrommanagement stellt die ARA die Verfügbarkeit von hochwertigen Rezyklaten in Industriequalität sicher.